WILD AT HEART: Rooms That Became Revolutions

Abschnitt Info

Ursprünglich von einem kleinen Kreis queerer Festivalmitarbeiter*innen in der Buchhandlung Prinz Eisenherz erdacht existierte der TEDDY lange bevor er zu einer prägenden Kraft der Berlinale wurde. Ein Blick zurück auf diese frühen Jahre zeigt, wie der Preis Berlins queere Kulturlandschaft mitgestaltete – von den Tanzflächen im SchwuZ und SO36 über das Metropol bis hin zum Haus der Kulturen der Welt. Dafür sprechen wir mit jenen, die damals dabei waren und die die Ära des New Queer Cinema mitgeprägt haben.

Die frühen Formationsjahre des TEDDY spielten sich vor einer Kulisse politischer Dringlichkeit ab: queerfeindliche Gesetzgebung in Westberlin, die Hochphase der Aids-Krise, der sich ankündigende Fall der Berliner Mauer. Inmitten dieser aufgeladenen Atmosphäre wurde der TEDDY mehr als nur ein Preis: Er wurde eine kulturelle Intervention. Was bedeutete es für queere Aktivist*innen und Filmschaffende, zu erleben, wie sich eine so widerständige, gemeinschaftliche und kompromisslos politische Präsenz im Innersten der Berlinale verankern konnte?

Datum: Samstag, 14.02.26

Ort: Deutsche Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen I Mauerstraße 79, 10117 Berlin

Zeit: 11:00 - 12:15 Uhr

Freier Eintritt


Moderation:

Toby Ashraf

Kurator, Journalist 
Pronomen: er/ihm 

Toby Ashraf arbeitet als freischaffender Kurator und Journalist. Er wurde mit dem Siegfried-Kracauer-Preis für die beste Filmkritik ausgezeichnet und leitete von 2014 bis 2018 das Berlin Art Film Festival. Er hat Filmprogramme für das Goethe-Institut und die Deutsche Kinemathek kuratiert und Filmkritiken in der taz – die Tageszeitung, dem Sissy-Magazin und anderen Publikationen veröffentlicht.

Seit 2014 ist er als Moderator, Autor und Redakteur für die Berlinale tätig. 2022 war er Mitglied der Auswahlkommission für das Berlinale Panorama und wurde 2024 Berater der Berlinale, wo er an der gesamten offiziellen Auswahl mitwirkt und sich auf deutschsprachiges und queeres Kino spezialisiert hat.
@toby.ashraf

Panelist:

Elfi Mikesch

Kamerafrau, Fotografin und Filmregisseurin 
Pronomen: sie/ihr 

1971 drehte sie als Kamerafrau ihren ersten Film, Leidenschaften, das filmische Ergebnis einer Weltreise mit Fritz Mikesch, inszeniert von Rosa von Praunheim. 1972 war sie für Maske und Kostüm in Werner Schroeters Salome verantwortlich und arbeitete in der Folge bei zahlreichen Filmproduktionen als Kamerafrau mit ihm zusammen. Darauf folgten weitere Fotoserien und Dia-Shows, bevor sie sich ab etwa 1980 als Spezialistin für experimentelle Filme, die sie selbst realisierte, einen Namen machte. Zudem arbeitete sie als Dokumentarfilmerin, unter anderem für das ZDF, und wurde wiederholt als Kamerafrau von Regisseur*innen wie Rosa von Praunheim, Werner Schroeter, Peter Lilienthal und Monika Treut engagiert, mit der sie 1984 die Hamburger Produktionsfirma Hyäne/Hyena Film gründete.

1983/84 lehrte sie Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Seit 1991 ist sie Mitglied der Deutschen Filmakademie.

Gemeinsam mit Werner Schroeter wurde sie 2010 mit dem Murnau-Filmpreis ausgezeichnet – als Gestalterin eines zutiefst visuellen Kinos, in dem sichtbare Realität durch unsichtbare Elemente, Sehnsucht und Emotion ergänzt wird. 2014 erhielt sie den Special TEDDY Award.

Anlässlich von Mikeschs 80. Geburtstag veröffentlichte Rosa von Praunheim 2020 den Fotoband vis-à-vis über seinen langjährigen Weggefährten, der bei über 20 Filmen als Kamerafrau an seiner Seite arbeitete.

Raymond Phathanavirangoon

Filmproduzent, Programmgestalter und Festivalberater 
Pronomen: er/ihm 

Raymond Phathanavirangoon ist ein in Hongkong geborener und in Bangkok lebender Filmproduzent, der als Geschäftsführer des Southeast Asia Fiction Film Lab (SEAFIC) tätig war, das an der Entwicklung von CU LI NEVER CRIES, PLAN 75 und STRANGER EYES mitwirkte, die jeweils in Berlin, Cannes und Venedig Premiere feierten. Er war Programmgestalter für das Toronto International Film Festival, Programmberater für das Hong Kong International Film Festival und Delegierter bei der Cannes Critics' Week. Zuvor war er Direktor für Marketing und Sonderprojekte bei Fortissimo Films. Er war Berater für die Asian Film Awards und Mitglied der Auswahljury für das Hong Kong-Asia Film Financing Forum, den Rotterdam Cinemart und das TorinoFilmLab. Produktionscredits: Pang Ho-Cheungs DREAM HOME (Tribeca 2010), Pen-ek Ratanaruangs SAMUI SONG (Venice Days 2017) und HEADSHOT (Berlin Panorama 2012), Boo Junfengs APPRENTICE (Cannes Un Certain Regard 2016) und SANDCASTLE (Cannes Critics’ Week 2010), Ron Howards THIRTEEN LIVES (2022), Patrick Dickinsons COTTONTAIL (Rome Best First Feature 2023) und weitere.

Sridhar Rangayan

Filmregisseur, Produzent 
Festivaldirektor, KASHISH Pride Film Festival 
Pronomen: er/ihm 

Sridhar Rangayan ist der einzige indische Regisseur, Autor und Produzent, der seit 25 Jahren kontinuierlich Inhalte mit Schwerpunkt auf LGBTQ+ produziert. Seine preisgekrönten Filme The Pink Mirror, Yours Emotionally, 68 Pages, Purple Skies, Breaking Free, Evening Shadows, Raja Bro und Kuch Sapney Apne haben dazu beigetragen, Gespräche über LGBTQ+-Themen anzustoßen und rechtliche sowie gesellschaftliche Veränderungen voranzutreiben. Seine Filme wurden mit 37 internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter ein National Award, und auf über 250 Filmfestivals gezeigt. Die Filme The Pink Mirror, Breaking Free und Evening Shadows wurden auf Netflix gestreamt. Zudem war er Jurymitglied bei internationalen Filmfestivals wie der Berlinale, dem Iris Prize, MardiGras, Tasveer, Outfest, Movies That Matter u. a.

Darüber hinaus ist er Festivaldirektor des KASHISH Pride Film Festival, das sich in den vergangenen 16 Jahren zum größten LGBTQ+-Filmfestival Südasiens entwickelt hat. Das Festival ist nicht nur für die Präsentation von Filmen aus der ganzen Welt bekannt, sondern auch für die gezielte Förderung aufstrebender indischer Talente durch Entwicklungs- und Produktionsförderungen, Mentoring sowie den Vertrieb indischer Kurzfilme.

@sridharrangayan @kashishfilmfest


 

B. Ruby Rich

Filmwissenschaftlerin, Filmkritikerin, Kuratorin und Professorin 
Pronomen: sie/ihr 

B. Ruby Rich ist Filmwissenschaftlerin, Kritikerin, Kuratorin und emeritierte Professorin an der University of California in Santa Cruz. Sie prägte 1992 in einem Essay für The Village Voice und Sight & Sound den Begriff „New Queer Cinema“ und identifizierte damit eine Welle radikaler queerer Filme, die sie seither kontinuierlich begleitet und analysiert. Rich ist langjährige Spezialistin für feministische, queere, lateinamerikanische, unabhängige und dokumentarische Filme. Sie ist Autorin von Chick Flicks (1998) und New Queer Cinema: The Director’s Cut (2013) und war Chefredakteurin der Zeitschrift Film Quarterly (2013–24). Für ihre Arbeit wurde Rich vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem James Brudner Award for Outstanding LGBT Scholarship der Yale University sowie mit dem Frameline Award für einen „maßgeblichen Beitrag zur LGBT-Repräsentation in Film, Fernsehen und Medienkunst“. Sie ist Mitglied der AMPAS, der Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

Wieland Speck

Filmemacher, Autor, Kurator 
Pronomen: er/ihm 

1981 drehte Speck seinen ersten Kurzfilm, David, Montgomery and I,den er auf der Berlinale präsentierte. Ein Jahr später übernahm er als Assistent des Programmdirektors Manfred Salzgeber die organisatorische und künstlerische Leitung der Sektion Panorama des Festivals. 1985 drehte Speck neben seiner Arbeit bei der Berlinale seinen ersten Spielfilm, Westler.

1987 initiierte Speck gemeinsam mit Salzgeber den TEDDY Award, den weltweit ersten queeren Filmpreis, der im Rahmen eines A-Festivals verliehen wurde.1992 wurde Speck Programmdirektor des Panoramas und Mitglied der Auswahlkommission für den Berlinale-Wettbewerb. In dieser Position engagierte er sich 25 Jahre lang für das Queer-Kino und stellte seine eigene künstlerische Karriere dafür größtenteils zurück.

Sein Film Escape to Life: The Erika and Klaus Mann Story, ein Doku-Spielfilm, den er gemeinsam mit Andrea Weiss drehte, kam 2000 in die Kinos.

Auch nach seinem Rücktritt von der Berlinale bleibt Speck dem Festival als Berater und Kurator für Sonderprogramme verbunden.