WILD AT HEART: Community as Infrastructure in Queer Film Culture
Abschnitt Info
TEDDY-Veranstaltungen leben von einer Atmosphäre der Nähe. Jahr für Jahr kommen Filmschaffende, Programmierende, Produzent*innen und Verleiher*innen aus aller Welt zusammen, um in Kinofoyers oder bei Panels über die Stadt verteilt Räume des Austauschs zu schaffen. Mit ihren klar queeren Perspektiven durchbrechen diese Begegnungen etablierte Strukturen und zeigen, wie queeres Kino nicht nur Gemeinschaft stiftet, sondern auch Programmierungspraktiken, das Publikum und die Gespräche rund um die Filme verändert. Eine besondere Rolle spielt dabei das Arsenal Filminstitut. Zu seinen Gründungsmitgliedern gehörte Manfred Salzgeber – später erster Leiter der Berlinale‑Sektion Panorama und Mitbegründer des TEDDY AWARD –, dessen Einfluss die Ausrichtung des Hauses auf queere Filmkultur nachhaltig prägte. 1971 fand dort die Premiere von Rosa von Praunheims Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt statt, ein Meilenstein in der queeren Filmgeschichte mit internationaler Wirkung. Das gemeinsame Sehen von Filmen, in denen die eigenen Erfahrungen sichtbar werden, hat queere Filmfestivals von Beginn an zu mehr als nur Vorführorten gemacht: zu Räumen kollektiver Zugehörigkeit, in denen Repräsentation zu geteilter Anerkennung wird und das Filmegucken selbst Teil der kulturellen und politischen Erfahrung queeren Kinos ist.
Datum: Dienstag, 17.02.2026
Ort: silent green Kulturquartier I Gerichtstraße 35, 13347 Berlin
Zeit: 11:00 - 12:15 Uhr
Freier Eintritt
Moderation:
Ana David
Programmiererin, Berlinale Panorama
Pronomen: sie/ihr
Ana David ist Festivalprogrammiererin und Kuratorin und arbeitet zwischen Berlin und Portugal. Seit 2024 ist sie Beraterin des offiziellen Programms der Berlinale, seit 2017 Mitglied des Advisory Board der Sektion Berlinale Panorama sowie Programmiererin beim Márgenes – Festival Internacional de Cine de Madrid.
Von 2021 bis 2024 war sie Kuratorin am Batalha Centro de Cinema in Porto, wo sie unter anderem die thematischen Programme Politics of Sci-Fi, Domesticities und After Hours: Clubbing on Film mitkuratierte. Zu ihren früheren Stationen als Programmiererin zählen IndieLisboa, das Berwick Film & Media Arts Festival, Oslo/Fusion, das BFI London Film Festival sowie Queer Lisboa, wo sie als Co-Direktorin tätig war.
Darüber hinaus organisierte sie Retrospektiven zu Angelo Madsen Minax, Claire Denis, Joanna Hogg, Luísa Homem, Annemarie Jacir, Mai Zetterling und Jane Campion.
@anafdavid
Panelist:
Stefanie Schulte Strathaus
Künstlerische Direktorin, Arsenal – Institut für Film und Videokunst
Pronomen: sie/ihr
Stefanie Schulte Strathaus ist Künstlerische Direktorin des Arsenal – Instituts für Film und Videokunst in Berlin. Von 2001 bis 2019 war sie Mitglied des Auswahlkomitees des Berlinale Forums, von 2006 bis 2020 leitete sie als Gründungsdirektorin die Berlinale-Sektion Forum Expanded.
Sie kuratierte zahlreiche Film- und Ausstellungsprojekte, darunter LIVE FILM! JACK SMITH! Five Flaming Days in A Rented World (mit Susanne Sachsse und Marc Siegel, Berlin 2009), A Paradise Built in Hell (mit Bettina Steinbrügge, Hamburg 2014) sowie From Behind the Screen (Kairo, 2018). Darüber hinaus realisierte sie Forschungs- und Ausstellungsprojekte wie Living Archive – Archive Work as Contemporary Artistic and Curatorial Practice (2010–2013) und Archive außer sich (2017–2022).
2021 gründete sie das biennale Festival Archival Assembly. Schulte Strathaus ist Herausgeberin von The Memo Book. Films, Videos, and Installations by Matthias Müller (2005), Who Says Concrete Doesn't Burn, Have You Tried It? Film in West Berlin in the 1980s (mit Florian Wüst, 2008) sowie Accidental Archivism – Shaping Cinema’s Futures with Remnants of the Past (mit Vinzenz Hediger, 2023).
Sie ist Mitglied der Vorstände der FIAF (International Federation of Film Archives), des Harun Farocki Institute sowie des Masterstudiengangs Film Culture an der University of Jos in Nigeria.
@stefanieschultestrathaus
Sarnt Utamachote
Künstler*in, Kurator*in, Filmprogrammierer*in, XPOSED Queer Film Festival Berlin / Sinema Transtopia
Pronomen: dey/dem
Sarnt Utamachote ist eine südostasiatische, nichtbinäre Filmschaffende*r und Kurator*in mit Sitz in Berlin. Deys Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Migration, Communitys, Archiven und Vorstellungen von Queerness und wechseln zwischen den Medien Film, bildender Kunst und Schreiben. Sarnt ist Teil von Kollektiven wie un.thai.tled und Cruising Curators.
Die laufende Ausstellung In Nobody’s Service wurde unter anderem in der Galerie Wedding Berlin (2024), bei der Thailand Biennale in Phuket (2025) sowie im Rahmen von Dealing In Distance des Goethe-Instituts Südostasien (2026) gezeigt. Der Kurzfilm I don’t want to be just a memory (2022–24) feierte seine Premiere im Forum Expanded der 74. Berlinale.
Mit Sinema Transtopia kuratiert Sarnt Filmprogramme wie The Past Is Not Another Country (in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Filmmuseum Frankfurt), das sich mit alternativen Zugängen zum Umgang mit Filmarchiven beschäftigt. Sarnt arbeitet außerdem als Filmprogrammierer*in für das XPOSED Queer Film Festival Berlin und das Kurzfilm Festival Hamburg sowie als Gastprogrammierer*in für CinemAsia Amsterdam 2026. Zudem war Sarnt Jurymitglied bei Festivals wie Fantouche, MIXCPH, dem London Short Film Festival und weiteren.
Derzeit ist Sarnt Fellow Resident bei den Braunschweig Projects der HBK (2026–27).
@sarntolstice
Manuela Kay
Journalistin, Autorin, Aktivistin, Kuratorin, Porn Film Festival Berlin, Publizistin, Siegessäule, L-Mag
Pronomen: sie/ihr
Manuela ist eine gebürtige Westberlinerin sowie Journalistin, Autorin, Aktivistin und leidenschaftliche Filmliebhaberin. Mitte der 1990er-Jahre begann sie bei der Berlinale in der Panorama-Sektion zu arbeiten und war maßgeblich an der Neuorganisation und Prägung des TEDDY Award sowie der TEDDY-Jury in der Form beteiligt, wie wir sie heute kennen.
Sie war Mitherausgeberin des queeren Kinoguides OUT IM KINO und kuratiert und organisiert seit nunmehr 20 Jahren das Pornfilmfestival.
Darüber hinaus ist sie Verlegerin der queeren Magazine SIEGESSÄULE und L-MAG und arbeitet während des Festivals weiterhin „unter Deck“ bei der Berlinale.
Kanakan-Balintagos
Regisseur, The Blossoming of Maximo Oliveros, TEDDY 40
Pronomen: er/ihm
Auraeus Solito, auch bekannt als Kanakan-Balintagos, ist ein philippinischer Filmemacher und Aktivist für die Rechte indigener Völker. Er stammt aus einer Linie von Schamanenkönigen des Palaw’an-Stammes. Als einer der Ersten wurde er außerhalb des angestammten Stammesgebiets in Süd-Palawan geboren. Solito kam in Manila zur Welt und studierte nach seinem Abschluss an der Philippine Science High School Theater an der University of the Philippines, wo er einen Abschluss in Theaterwissenschaften (Theater Arts) erwarb. Als einer der führenden unabhängigen Filmemacher der Philippinen wurde er 2010 in die Auswahl Take 100: The Future of Film aufgenommen. Das von Phaidon Press in New York veröffentlichte Buch stellt 100 aufstrebende Regisseurinnen aus aller Welt vor, die von zehn international renommierten Festivalleiterinnen ausgewählt wurden.
Sein erster Langspielfilm The Blossoming of Maximo Oliveros wurde mit 15 internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter drei Auszeichnungen auf der Berlinale (der Teddy Award, der Internationale Jurypreis beim Kinderfest sowie eine Besondere Erwähnung der Kinderjury des Kinderfests). Zudem war es der erste philippinische Film, der für den Independent Spirit Award in der Kategorie Bester internationaler Film nominiert wurde. Der Film wurde auf mehr als 50 Filmfestivals weltweit gezeigt.
Sein zweiter Langspielfilm Circumcision gewann den Preis für den Besten Film sowie für die Beste Regie im Digital Competition beim CineManila Film Festival 2005, erhielt den NETPAC-Jurypreis auf der Berlinale (Internationales Forum des Jungen Films) sowie den Preis für den Besten internationalen Spielfilm beim Outfest in Los Angeles. Solito war zudem der erste philippinische Filmemacher, der zwei Jahre in Folge beim Sundance Film Festival in Park City, Utah, vertreten war – mit The Blossoming of Maximo Oliveros und Circumcision. Seine Filme wurden außerdem auf zahlreichen weiteren internationalen Festivals gezeigt, darunter in Montreal, Busan, Toronto und Rotterdam.
Sein Film Palawan Fate wurde 2011 zur Directors’ Fortnight in Cannes eingeladen und beim Cinemalaya Festival 2011 mit den Preisen für Beste Regie, Bestes Sounddesign und Beste Originalmusik ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde der Film 2012 beim National Geographic All Roads Film Festival in Washington, D.C. gezeigt, wo er den Grand Prize sowie den Merata-Mita-Preis „Best of Stories“ erhielt.
2013 nahm er den Namen Kanakan-Balintagos als seinen spirituellen Stammesnamen an, nachdem sein Onkel, ein Schamane aus Palawan, von ihm geträumt hatte. In einem Interview sagte er: „In seinem Traum sah er mich mitten auf einer Sandbank stehen, eine Kamera in der Hand, die sich in ein Blasrohr verwandelte. Ich wurde ein Kanakan … ein Jäger. Plötzlich tauchten von beiden Seiten der Sandbank große Wellen auf, doch ich blieb unversehrt, unangetastet.“
2014 gewann sein Film Esprit de Corps, basierend auf einem Theaterstück, das er im Alter von siebzehn Jahren geschrieben hatte, drei Preise beim Cinema One Originals Film Festival, darunter den Preis für die Beste Regie.
2015 erhielt er den ersten Preis der renommierten Palanca Awards in der philippinischen Kategorie Dulang Ganap ang Haba (abendfüllendes Theaterstück in Filipino) für sein literarisches Werk Mga Buhay na Apoy.
2017 gehörte er zu den Preisträgern des Outstanding Manilan Award.
Seit 2018 verwendet er für all seine professionelle Arbeit wieder ausschließlich den Namen Kanakan-Balintagos.