This Suffocating Now
In einer Zeit, in der Elemente der Faschisierung immer deutlicher, immer allgegenwärtiger werden, wirft die Künstlerin Vika Kirchenbauer einen persönlichen Blick auf das, was in Deutschland heute in der Luft liegt. This Suffocating Now bezeugt die historische Gegenwart als einen Zustand, der von Vektoren der Gewalt gezeichnet ist, die seit Langem durchgängig und gewohnheitsmäßig existiert haben. Seinen Fokus legt der Film dabei auf jene Verwerfungslinien, die in den letzten Jahren die illiberale Kehrseite von freiheitlichem Staat und Gesellschaft am deutlichsten offenlegen: Solidarität mit Palästina sowie Queer- und Transrechte. Der 16-minütige Essayfilm speist sich aus einer großen Bandbreite von Material und fließt in ungleichmäßigem Rhythmus durch Fotografien und Bewegtbilder. Beobachtungen aus den letzten drei Jahren – darunter die verstärkte Polizeipräsenz und wiederholte Polizeigewalt, die Kirchenbauer von ihrem Balkon in Berlin aus einfängt – werden im breiteren Kontext deutscher Geschichte betrachtet. Triviale Aufnahmen, die die Künstlerin beim Renovieren ihrer Wohnung gemacht hat, bilden den Hintergrund für ihre kritische Betrachtung des eigenen sozialen Aufstiegs in eine verbeamtete Professur. Diese persönliche Reflexion bildet den Einstiegspunkt für die Verhandlung der intimen Beziehung zwischen Staat und zeitgenössischer Kunst im deutschen Kultursektor im Allgemeinen.
Details
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Länge
16 min -
Land
Deutschland -
Vorführungsjahr
2026 -
Herstellungsjahr
2026 -
Regie
Vika Kirchenbauer -
Mitwirkende
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Produktionsfirma
Vika Kirchenbauer -
Berlinale Sektion
Forum Expanded -
Berlinale Kategorie
Kurzfilm
Bilder aus dem Film
Biografie Vika Kirchenbauer
Vika Kirchenbauer (*1983, lebt in Berlin) ist Künstlerin, Autorin und Musikproduzentin. In ihrem Werk setzt sie sich mit Édouard Glissants Idee des Rechts auf Opazität auseinander und bezieht sich hierbei auf die Repräsentation jener Individuen und Sachverhalte, die von gegebenen Normen abweichen. Mit subtil widersprüchlichen sowie bewussten Überhöhungen entlarvt sie die Strukturen postfordistischer Arbeitsverhältnisse, das Streben nach Transparenz und die zunehmende Tendenz der Erlebnis-Ökonomie; einer Strategie der New Economy, deren Prinzip darauf basiert, den KundInnen kein Produkt, sondern ein emotionales Erlebnis zu verkaufen. Vor diesem Hintergrund erörtert sie die diffizile Beziehung zwischen PerformerIn und ZuschauerIn und die wechselseitigen Momenten des Betrachtens und Betrachtetwerdens. Zugleich setzt sich Kirchenbauer mit ihrer Rolle als Künstlerin auseinander und hinterfragt die steigende partizipative Erlebniskultur des Kunstbetriebs und die institutionellen Präsentationsformen zeitgenössischer Kunstwerke.
Ihre vielfach ausgezeichneten Arbeiten sind in unterschiedlichsten Kontexten gezeigt worden, u.a. im Neuen Berliner Kunstverein, Kunstmuseum Bonn, beim Donaufestival Krems, Hebbel am Ufer Berlin, Ann Arbor Film Festival, Images Festival Toronto, Bucharest International Experimental Film Festival, European Media Art Festival, den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen sowie der ICA Artists’ Film Biennial.
Sie war zu Gastvorträgen u.a. an der New York University, Goldsmiths University of London, University of Copenhagen, der Universität der Künste, Berlin, der Kunsthochschule für Medien, Köln und der Kunsthochschule Kassel eingeladen.
Filmografie Vika Kirchenbauer
2009 We: 1st Person Plural (Documentary short) | 2014 Please Relax Now (Documentary short) | 2016 She Whose Blood Is Clotting in My Underwear (Short) | 2017 Welcome Address | 2018 The Island of Perpetual Tickling