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Variationen auf Genoveva von Robert Schumann

Länge:
60 min.
Herstellungsjahr:
2009
Land:
Belgien
Darsteller/Mitwirkende:
Eric de Kuyper
Olivia Poppe
Adrian Florin Mirza
Produktionsfirma:
Berlinale Sektion:
Forum
Berlinale Kategorie:
Essay Film

»Man könnte auch einmal anders an einen Konzert- oder Opernbesuch herangehen. Besonders, um das junge Publikum anzuziehen.« Für den belgischen Experimentalfilmer Eric de Kuyper (CASTA DIVA, NAUGHTY BOYS, A STRANGE LOVE AFFAIR, PINK ULYSSES) ist die Oper eine Untote, nicht ganz lebendig, aber auch nicht tot. In den performativen Künsten sieht er nun eine Möglichkeit die Oper als Relikt zu befreien. "Genoveva" blieb Robert Schumanns einzige Oper. Eric de Kuyper versucht mit seinen in schwarz-weiß gehaltenen Bildern Robert Schumanns musikalisch missglücktes Anliegen, sexuelle Leidenschaft und Begierde auszudrücken, zu belichten … Genoveva ist der filmische Teil einer Live-Performance.

Seit einigen Jahren kuratiert Eric de Kuyper die Reihe „concert en images“, eine Serie von Veranstaltungen, in denen er Stummfilme mit klassischer Live-Musik verbindet, dies unter anderem an der Cinémathèque Royale de Belgique und dem Palais des Beaux-Arts in Brüssel. In VARIATIONEN AUF GENOVEVA VON ROBERT SCHUMANN kehrt er diesen Ansatz in sein Gegenteil um: Ein existierendes Musikstück wird mit einem Film, der speziell für diesen Anlass gemacht wurde, konfrontiert. Die Oper von Schumann hat ein ‚unmögliches‘ Libretto, ein Grund, warum dieses Stück nur selten zur Aufführung kommt, und der Grund, warum die Operadagen Rotterdam ihn baten, eine semi-konzertante Performance dieses Stücks zu entwickeln.
Die ursprüngliche Oper basiert auf der Geschichte der Genoveva von Brabant, Hauptfigur einer mittelalterlichen Legende des 8. Jahrhunderts; eine Frau wird fälschlich des Ehebruchs angeklagt, während ihr Mann in diversen Kriegen kämpft. De Kuyper übersetzt das Thema der Oper, sexuelle Leidenschaft, in eine filmische Form. Der Film wird dabei zugleich als Oper inszeniert und umfasst ein Viertel des gesamten Originalstückes.
De Kuyper konzipierte den Film in Anlehnung an den frühen Stummfilm mit langen Aufnahmen in schwarzweiß. Die Idee der aleatorischen Musik von John Cage trifft auf klassische Musik, während weder die Bilder noch die Musik dies weiter erläutern. Auf diese Weise funktioniert der Film wie eine Anspielung auf das, was im Originalstück geschieht. Die Live-Aufführung der Musik läuft dabei nicht immer synchron zu den Bildern des Films. Der Gesang im Film und in der Live-Performance - die Treppensequenz am Ende des Films – wird von Olivia Poppe und Adrian Florin Mirza gesungen.

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