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Tuli

Länge:
113 min.
Herstellungsjahr:
2006
Land:
Philippinen
Regie:
Darsteller/Mitwirkende:
Desiree del Valle
Vanna Garcia
Carlo Aquino
Bembol Rocco
Eugene Domingo
Luis Alandy
Produktionsfirma:
Viva Films, Pasig City
Berlinale Sektion:
Forum
Berlinale Kategorie:
Spielfilm

In entlegenen Gebieten der Philippinen werden noch immer traditionelle Beschneidungen an kleinen Jungen vorgenommen. Daisys Vater, der sich auf derartige Eingriffe spezialisiert hat, lässt seine Unzufriedenheit mit seinem Leben häufig an Daisy aus, indem er sie zwingt, selbst die Vorhäute kleiner Jungen zu entfernen. Um sich an ihrem Vater zu rächen, bekennt sie sich zunächst offen zu ihrer Liebesbeziehung mit einer Frau. Dann entschließt sie sich dazu, sich von dem einzigen Jungen der Stadt schwängern zu lassen, der nicht beschnitten ist.

Mut, für die eigenen Rechte zu kämpfen
Erste internationale Aufmerksamkeit in Filmkreisen erlangte Auraeus Solito mit ANG PAGDADALAGA NI MAXIMO OLIVEROS (THE BLOSSOMING OF MAXIMO OLIVEROS), einem Film über einen Jungen, der lernt, seine Homosexualität zu akzeptieren. Als das Drehbuch zu TULI verfilmt werden sollte, dachte Viva-Produzent Vincent del Rosario sofort an Auraeus Solito: „Er hat ein einmaliges Gespür für das Thema Homosexualität bei den Philippinos“, sagt Vincent. „Ich war mir absolut sicher, dass es ihm gelingen würde, das alltägliche Leid der Homosexuellen zu zeigen. Vor allem in den ländlichen Regionen der Philippinen wird ihnen das Leben schwer gemacht: Üblicherweise dreht sich in Familien auf dem Land alles um einen diktatorischen Patriarchen – Männer wie Ka Malteng in TULI. Da erfordert es sehr viel Mut, für die eigenen Rechte zu kämpfen, so wie Daisy das tut, die sich entschließt, schwanger zu werden, oder wie Nanding, der ablehnt, sich um der Tradition willen beschneiden zu lassen.“ Solito fühlte sich geehrt, das preisgekrönte Drehbuch verfilmen zu können. „Traditionen sind den Philippinos sehr wichtig“, erklärt er. „Diese altmodischen Sitten bestimmen nach wie vor das Leben in den Provinzen. Der Drehbuchautor Jimmy Flores benutzte diese Tatsache als Ausgangspunkt für Daisys Geschichte, und ich war sehr froh über die Gelegenheit, auf der Leinwand zu zeigen, in welcher Weise diese Traditionen das Leben der jungen Philippinos beeinflussen, die die Freiheit entdeckt haben und entschlossen sind, ihre Ansichten durchzusetzen. Ich hatte das Glück, hervorragende Schauspieler für den Film zu gewinnen. Ihre darstellerischen Leistungen übertrafen meine Erwartungen bei weitem. Auch die schwierigen Außenaufnahmen, die mir sehr wichtig waren, um die Schönheit der philippinischen Landschaft zu zeigen, nahmen sie ohne weiteres auf sich. Desiree del Valle in der Rolle der Daisy, Vanna Garcia als Botchok und Carlo Aquino, der Nanding spielt, gehören zu den populärsten jungen Schauspielern auf den Philippinen.

Nicht jugendfrei!
Der Regisseur über seinen Film

Ich hatte den Drehbuchautor Jimmy Flores bereits während eines Animationsfilm- Workshops im Mowelfund Film Institute kennen gelernt, in dessen Verlauf mein erster Film entstand. Andere Regisseure hatten ihn aufgefordert, sein Drehbuch zu verändern.

Ich verliebte mich jedoch gleich beim ersten Lesen in die Geschichte und entschied, sie so zu verfilmen, wie sie war. Es ist meine Reverenz an die alten, auf dem Land spielenden philippinischen Filme – allerdings mit einer von dieser Tradition abweichenden Grundhaltung. Als Jimmy gefragt wurde, was er von meiner Verfilmung hält, gab er die beste Antwort, die ein Drehbuchautor über die Arbeit seines Regisseurs sagen kann: „Es ist, als ob er das Buch selbst geschrieben hätte!“ Wir beeilten uns mit der Fertigstellung des Films, um am Cine-Manila Film Festival teilnehmen zu können. Wir beendeten die Postproduktion innerhalb eines Monats, hatten jedoch ein Problem mit der Zensur, die den Film als „nicht jugendfrei“ einstufte. Ich war schockiert, vor allem weil mein Film keine einzige explizite Sex-Szene enthält, sondern allenfalls poetisch-erotische Einstellungen. Schließlich wurden einige Szenen herausgeschnitten und der Film wurde „ab 13 Jahren“ freigegeben. Einen weiteren Kampf musste ich ausfechten, damit wenigstens die Jury des CineManila Festivals die unzensierte Fassung des Films sehen konnte. Unter Berufung auf meine Rechte als Künstler und auf meine Integrität konnte ich mich schließlich durchsetzen. TULI gewann den Preis für den Besten Film und ich für die Beste Regie.

FILMOGRAFIE Auraeus Solito (Auswahl)

2006 Tuli  2005 Ang Pagdadalaga ni Maximo Oliveros 

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